Mal ultrakurz, mal etwas längerGeschichten
Einige Kurzgeschichten, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Ein paar davon wurden auch schon veröffentlicht …

Es ist immer wieder erstaunlich was so eine Schreibwerkstatt in einem freisetzt. Nachdem wir die Cluster-Methode nach Rico kennenlernten, durften wir gleich eine Übung im Clustern machen, um dann in knapp einer Stunde eine Geschichte zu schreiben, die sich aus den beim Clustern gewonnenen Erkenntnissen und Einfällen speist. Vorgabe als Thema waren die Begriffe Tanz oder Musik.
Zum Thema Tanz hatte ich gleich eine spontane Eingebung, wohl weil ich auch das Leitthema "Autobiografisches Schreiben" im Hinterkopf hatte. Das Clustern benutzte ich dazu, meine Erinnerungen zu schärfen und aufzupolieren. So entstand folgende Geschichte.
Es muss wohl im Herbst 72 gewesen sein, als uns Lorenzer Jungs klar wurde, das Mädchen mehr sind als Zöpfe tragende, kreischende Monster. Wir waren elf oder zwölf Jähere alt: Udo, Jörg, Thomas und ich. Als eingeschworene Truppe machten wir unseren Stadtteil St. Lorenz unsicher, und hatten oft mehr Ärger als uns gut tat. Auch in der Schule waren wir keine Musterknaben und hatten öfters das zweifelhafte Vergnügen den Rektor aufsuchen zu dürfen. Durch die Altstadt streifen und Leute ärgern, das war unser Ding. Lernen und Hausaufgaben? Das sollten andere machen. Bis wir Christine begegneten.
Sie kam aus einer anderen Stadt an unsere Schule, und war wohl auch älter als wir. Nicht viel, aber mit 12 ist 14 praktisch schon ein anderes Jahrhundert. Ich weiß nicht, was uns vier an ihr faszinierte, ob es Ihre langen Beine waren, die sie in oben knallengen und unten weit ausgestellten Jeans zwängte, ihr freches Grinsen, mit dem sie alle verrückt machte, oder das kobaltblaue Leuchten ihrer Augen. Immer öfter ertappten wir uns dabei, uns tagträumerisch vorzustellen, wie es wäre, ihre Büchertasche zu tragen oder ganz verwegen einfach nach ihrer Hand zu greifen, anstatt mit wassergefüllten Ballons nach den Passanten in der Fußgängerzone zu werfen. Doch obwohl wir sonst nicht auf den Mund gefallen waren - den Mut sie anzusprechen hatte keiner von uns, zumal sie immer von einer ganzen Horde Freundinnen begleitet wurde, die uns sicher zum Gespött der Schule gemacht hätten. Wir hatten schließlich einen Ruf zu verlieren!
Jeden Samstagnachmittag gab es auf der Burg im Fünfeckturm eine Tanzparty. Der Eintritt war frei, und man konnte Cola und Salzstangen selbst mitbringen. Ehrensache für uns, dass wir dort immer auftauchten. Auf diesen Partys gab es ein eisernes Gesetz: Echte Männer tanzen nicht. Also standen wir am Rande der Tanzfläche herum und guckten den Mädchen zu, die mit sich selbst tanzten, hin und her gerissen von dem Wunsch selbst dabei zu sein, und der Angst sich vor den Kameraden als "Mädchenfreund" präsentiert zu haben.
Ich weiß nicht mehr genau, an welchem Samstag es war, als wir wieder einmal beieinanderstanden uns nach außen über die wenigen tanzenden Jungs lustig machten und ihnen verstohlen neidische Blicke zuwarfen. Ich weiß auch nicht mehr, welche Musik gespielt wurde, ich weiß nur noch, dass plötzlich Christine vor mir stand, mich mit ihren strahlenden Augen ansah und mich fragte: "Magst du tanzen?" Ich spürte ihre Hand in meiner - oder war es umgekehrt? - und folgte ihr willenlos auf die Tanzfläche. Sie legte meine Hände auf ihre Hüften, zog mich ganz dicht heran und wir begannen, uns im Rhythmus der Musik zu wiegen. Ich wusste nicht, wie mir geschah, alles war egal, alles war unwichtig, sollten sich doch alle das Maul zerreißen. Ich tanzte mit Christine!
Thomas, Udo und Jörg sprachen bestimmt zwei Wochen nicht mehr mit mir. Doch ich wusste: Davon will ich mehr!
Irgendwann stellte mir eine Freundin die Frage, warum jemand eigentlich eine private Homepage hat. So auf Anhieb wusste ich nicht was ich darauf antworten sollte, schließlich betreibe ich diese Site schon seit mehr als 12 Jahren
You may feel disappointed somehow, as most of my pages are written in German. And it’s true, they should be understandable to much more people than they are now …