Mal ultrakurz, mal etwas längerGeschichten
Einige Kurzgeschichten, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Ein paar davon wurden auch schon veröffentlicht …

Dieses Wochenende habe ich wieder an einer Schreibwerkstatt teilgenommen. Diesmal ging es um autobiografisches Schreiben, oder vielleicht besser Texte mit eigenen Erfahrungen würzen, also weniger die klassische Biografie. Als erstens sollten wir etwas über uns schreiben und zwar aus Sicht unserer Nase. Also bitte!
Was soll ich euch sagen, ich bin schon wieder voll. Total. Was man als Nase so alles mitmachen muss, ich konnte Geschichten erzählen! Nicht dass ich als Gesichtserker unzufrieden wäre - es gibt Übleres, fragt nur mal die Ohren. Aber manchmal stinkt's mir zum Himmel.
Mein Träger ist ja im Kraftwerksbau beschäftigt. Als mir die Ohren davon zum ersten Mal erzählten fand ich das gar nicht schlecht, endlich würde mal ein anderer Wind um mich herumwehen als der ewige Krankenhausmief. 10 Jahre im Krankenhausbau ist schon eine ganze Menge. An den Baustellengeruch halte ich mich schon gewöhnt. Der muffige Duft von frischem Beton, das harzige Aroma von neuen Dachbalken, oder dieser eigentümliche Duft von heißem Metall, wenn Stahlträger oder Armiereisen verschweißt werden. Das hat schon fast seine eigene Poesie, wann ich das als simples Riechorgan mal so sagen darf.
Aber mein Herumträger lässt es ja nicht bei so was bewenden. Nein, er muss sich ja "spezialisieren"! Von all den vielen Möglichkeiten Kraftwerke zu bauen sucht er sich Müllverbrennungsanlagen heraus. Solaranlagen hätte er bauen sollen! Die stehen einfach auf der Wiese, sonnen sich im würzigen Duft der Blumen und Kräuter, und atmen das Ozon der nahe gelegenen Wälder. Doch was mache ich? Ich werde im Gestank von Wochen alten Müll gebadet. Ok, ich krieg ein schönes Mäntelchen um, so eine weiße Staubmaske. Aber eine echte Hilfe ist das nicht. Den Gestank krieg ich oft stundenlang nicht aus mir raus, ich sage euch da stumpft man ab! Ich hab da so meine eigene Art mich zu rächen, wenn mein Herr und Meister es mal wieder übertreibt und sich zu lange in den Reststofflagern unserer Wohlstandsgesellschaft herumtreibt. Ich mach dann zu. Dicht. Ende. Soll er doch durch den Mund atmen, wird er schon sehen, was er davon hat!
Ganz im Vertrauen - ich hab's vom Bauch, und der hat immer ein ganz gutes Gefühl - ich denke, das Hirn plant etwas. Augen und Ohren tun immer so als wüssten sie nicht, was vor sich geht. Aber wenn sie die Brille brauchen, dann wissen sie plötzlich, wo ich bin. Nun gut, ich werd's schon noch erfahren. Bin ja nur die Nase, die in alles reingesteckt wird. Aber wenn sie mich fragen, dann will mein Boss wohl bald umsatteln. Ich hoffe in einen wohlriechenden Beruf!
Irgendwann stellte mir eine Freundin die Frage, warum jemand eigentlich eine private Homepage hat. So auf Anhieb wusste ich nicht was ich darauf antworten sollte, schließlich betreibe ich diese Site schon seit mehr als 12 Jahren
You may feel disappointed somehow, as most of my pages are written in German. And it’s true, they should be understandable to much more people than they are now …