Mal ultrakurz, mal etwas längerGeschichten

Einige Kurzgeschichten, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Ein paar davon wurden auch schon veröffentlicht …

Zur Abwechslung mal wieder eine Geschichte, die mir beim morgendlichen Waldlauf eingefallen ist. Aber ich will nicht zuviel verraten – lesen ist hier angesagt! Dies ist die ursprüngliche Fassung, es gibt noch zwei Überarbeitungen, die Sie hier und hier finden.

 

Jagdfieber

Er blickte sich verwundert um: „Das war doch ein Raubtier?“ ging es ihm durch den Kopf. Wieder tönte das rauhe, kehlige Brüllen durch den morgendlichen Wald. „Das muss drüben vom Zoo kommen!“ überlegte er, und setzte seinen Waldlauf fort. Die Pulsuhr blinkte beruhigend im Takt seines Herzschlags.

Der östliche Horizont wurde langsam heller, als sich die Sonne müde immer höher in den Himmel schob. Nebelfetzen hingen über dem Schotterweg und seine Schritte hallten laut von den Bäumen wider. Um diese Zeit war er noch nie im Wald gewesen, aber er wollte unbedingt das tolle Herbstwetter nutzen. Später würde er wieder den ganzen Tag im Konferenzraum verbringen und so blieb nur die Stunde nach Sonnenaufgang.

Er liebte dieses Stück Wald: Eichen, Buchen und Birken standen neben großen Föhren und Tannen, immer wieder unterbrochen von kleinen Lichtungen, Weihern und Bächen. Selbst Mitte Oktober blühten noch weiße und rosa Blumen am Wegrand, doch ihre Namen kannte er nicht.

„Still ist es gerade nicht“ überlegte er. Äste knackten und Blätter raschelten zu Boden als er dem Weg folgte. Vom Zoo drüben vernahm man öfters die Laute der Tiere; Wolfsgeheul oder Affengebrüll. Nur von den großen Raubkatzen war noch nie etwas zu hören gewesen. „Der Wind muss günstig stehen, sonst würde man die Tiere nicht so weit hören. Klang ganz wie ein Tiger.“ ging es ihm durch den Kopf, „Egal, es klang jedenfalls nach einer richtig großen Raubkatze!“

Er überquerte eine breite Schneise, Hochspannungsmasten standen links und rechts und schwere Kabel hingen dazwischen. Der Weg stieg jetzt langsam an und er begann zu schwitzen. 40 Minuten zeigte die Pulsuhr, also etwa die Hälfte seines Trainings war schon geschafft. Gleich nach der nächsten Biegung kam die kleine Abzweigung, die ihn wieder auf den Rückweg bringen würde.

Die Sonne war inzwischen durch den Nebel gedrungen und warf goldene Flecken auf Bäume, Sträucher und Wiesen. Reif glitzerte auf braunen Blättern am Boden und irgendwo vor ihm schrie ein Vogel, aufgeschreckt vom Klang der Schritte, eine Warnung für seine Artgenossen.

Es kam ihm vor, als wären seine Sinne heute besonders empfindlich: überall knackte und raschelte es, und aus den Augenwinkeln sah er Bewegungen, doch wenn er den Kopf dorthin drehte, konnte er nichts entdecken. Eine Art innerer Unruhe hatte Besitz von ihm ergriffen, die er hartnäckig zu ignorieren suchte.

Unvermittelt blieb er stehen: Schon wieder das Brüllen! Aber das kam doch nicht aus der Richtung des Zoos? Das war irgendwo seitlich von ihm! Nervös blickte er sich um, spürte wie sich seine Nackenhaare aufrichteten und das T-Shirt nass vom Schweiß an seinem Rücken klebte. War es möglich, dass aus dem Zoo ein Tier entkommen war? Beim Weitergehen versuchte er möglichst wenig Geräusche zu machen, doch der Schotter knirschte entsetzlich laut unter seinen Laufschuhen.

Er erinnerte sich an die Geschichte mit den Eisbären, die sich vor ein paar Jahren zugetragen hatte. Irgendjemand hatte das Gatter im Zaun offen gelassen und die die Tiere konnten entkommen. Der Tierarzt des Zoos musste beide Bären erschießen, das Betäubungsmittel wirkte nicht und die Bären hielten auf eine nahe gelegene Siedlung zu.

„Gut möglich, das jemand bei den Tigern wieder nicht aufgepasst hat!“ überlegte er und blickte über die Schulter zurück, als es besonders laut hinter ihm knackte. Doch der Weg war leer, und außer den Fichten, die sich leicht im Wind bogen war keine Bewegung zu sehen. „Alles Quatsch!“ versuchte er sich zu beruhigen „Du allein im Wald, niemand sonst hier und ausgerechnet jetzt soll sich ein entlaufener Tiger hier herumtreiben. Lächerlich!“ Er beschleunigte jedoch seinen Schritt, als würde er an seinen eigenen Worten zweifeln.

Sein Magen krampfte sich zusammen, als er abschätzte wie weit es noch bis zum Stadtrand war. „20 Minuten im Walking-Tempo, 10 vielleicht wenn ich renne.“ In seinem Kopf hatte sich die fixe Idee festgesetzt, das sich hier im Wald ein eine entlaufene Raubkatze herumtrieb und wohlmöglich Jagd auf ihn machte. Die aufsteigende Angst hatte ihn fest im Griff. Keuchend hetzte er den Weg entlang, den Blick nach Links und Rechts werfend. Überall knackte und raschelte es jetzt, und er begann zu rennen. Da vorne musste doch gleich das kleine Teersträßchen kommen! Wenn er es zur Siedlung schaffte, konnte er vielleicht Hilfe holen. Seine Beine schmerzten, die Lunge brannte und das Blut pochte in seinem Schädel, die Pulsuhr piepte in unablässigem Stakkato.

Abrupt blieb er stehen und der eigene Schwung hätte ihn beinahe stürzen lassen. Sein Herz raste und er glaubte seinen Pulsschlag als Echo von den Bäumen zu hören. Und noch etwas hörte er: Den Tiger! Genau vor ihm erklang sein Gebrüll, lauter und deutlicher als je zuvor! Gehetzt blickte er sich um: Wohin nur? Umdrehen und zurück? Quer durch den Wald hatte er keine Chance. Wenn er der Straße folgte, könnte er vielleicht an der Raubkatze vorbeikommen, ohne von ihr bemerkt zu werden. Das war die beste Chance die sich ihm bot. Gebückt schlich er weiter, bemüht wenig Geräusche zu machen. Noch immer pochte das Blut in seinen Schläfen. Vorne, am Ende des Waldes konnte er schon die ersten Häuser sehen. Sollte er es wagen und sein Heil in einem schnellen Sprint suchen?

Die Entscheidung wurde ihm abgenommen: Hinter ihm knackte und krachte es, als ob ein großes Tier durch das Unterholz sprang! Panik flutete in ihm hoch, und er rannte um sein Leben. Wie durch einen roten Nebel flogen die Bäume an ihm vorbei – schon glaubte er den heißen Atem des Tigers in seinem Nacken zu spüren. Mit letzter Kraft stürmte er auf den Platz vor den Häusern, strauchelte und stürzte hart auf den Asphalt. Keuchend blieb er liegen, unfähig nach Hilfe zu rufen erwartete er den tödlichen Schlag der Tigerpranke.

Doch nichts geschah.

Immer noch nach Atem ringend rollte er sich herum um nach seinen Jäger Ausschau zu halten. Doch der Waldrand lag still und ruhig da. Kein Tiger brach zähnefletschend aus dem Dickicht.

Nur ein großes Schild hing an einem Laternenpfahl. Ungläubig las er es und begann laut zu lachen, als hinter ihm, aus Richtung der Siedlung, erneut das Gebrüll des Tigers zu hören war. „Zirkus Salazar“ stand auf dem Schild „Besuchen Sie unsere Vorstellung mit der berühmten Tigerdressur! Festplatz am Waldrand, Vorstellungen jeweils 15:00 und 19:00 Uhr.“


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Ir­gend­wann stell­te mir ei­ne Freun­din die Fra­ge, warum je­mand ei­gent­lich ei­ne pri­va­te Ho­me­pa­ge hat. So auf An­hieb wuss­te ich nicht was ich dar­auf ant­wor­ten soll­te, sch­ließ­lich be­t­rei­be ich die­se Si­te schon seit mehr als 12 Jah­ren

 
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Dienstag, 07. Februar 2012

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